Rucken im Antriebsstrang
Bei jedem Räderwechsel sollte man als erste Aktion den Abrollumfang aller Räder messen, dabei an der Hinterachse mehr zur Innenseite messen, weil wegen des negativen Sturzes dort mehr Verschleiß auftritt. Wenn die Hinterräder im Umfang mehr als 20 mm kleiner sind, dann geht das System von übermäßigem Schlupf aus und will mehr Drehmoment nach vorne schicken. Weil aber kein unnormaler Schlupf vorliegt, wird der Antrieb der Vorderachse gespannt und durch die Elastizität darin wieder entspannt. Dieser sich aufschaukelnde Schwingungszustand wird als Rucken wahrgenommen. Das Rucken belastet den Antriebsstrang der Vorderachse sehr und sollte vermieden werden. Das wäre erreichbar, wenn man dafür sorgt, dass der Abrollumfang der Hinterräder nie kleiner als der Abrollumfang der Vorderräder wird. Damit würde auch der Verschleiß der Lamellenkupplung im Verteilergetriebe minimiert, weil ein permanentes leichtes Durchrutschen außerhalb des Regelbereichs ausgeschlossen wird.
Wenn die Vorderräder im Umfang kleiner sind als die Hinterräder, dann hat das kein Rucken zur Folge, weil das Verteilergetriebe lediglich den Antrieb der Vorderachse regelt. Der Antrieb der Hinterachse ist starr und damit ungeregelt.
Die Sternmarkierung ist lediglich ein Qualitätsmerkmal bei einer Neubereifung, die auf allen Rädern erfolgen sollte, wobei ein Qualitätskriterium ein engeres Toleranzfeld bezüglich des Abrollumfangs darstellt. Weil im Verteilergetriebe nur der Vorderachsantrieb geregelt wird, ist es kein Problem, wenn die Vorderräder einen kleineren Abrollumfang haben als die Hinterräder. Die Elektronik regelt auch das, indem die Lamellenkupplung entspannt wird für mehr Drehmoment an der Hinterachse, weil ja das System von erhöhtem Schlupf an der Vorderachse ausgeht. So wird das Fahrzeug automatisch zum Hecktriebler, der erst bei erhöhtem Schlupf an der Hinterachse den Antrieb an der Vorderachse aktiv werden lässt. Der von BMW gewollte permanente Allradantrieb ist dann nicht mehr gegeben. Die Adaption des Verteilergetriebes sorgt für eine Vorspannung der Lamellenkupplung, so dass eine Momentenverteilung von 40/60% (vorn/hinten) gegeben ist. Diese Verteilung trifft nur zu, wenn der Drehzahlunterschied vorn/hinten <1% ist.
Diese Erfahrungen habe ich mit meinem früheren F06 640d Xdrive gemacht. Bei meinem jetzigen G11 740d Xdrive (2022) ist nach 50000 km (Erstbereifung) augenscheinlich kein stärkerer Verschleiß auf den Innenseiten der Hinterräder zu erkennen. Offensichtlich hat man bei BMW dazugelernt und die Geometrie der Hinterachse angepasst. Generell sollte man aber ein einseitiges Ablaufverhalten beim Messen des Abrollumfangs berücksichtigen.
Geändert von hoffmanw (17.01.2026 um 22:06 Uhr).
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